Einblicke und Ausblicke
Hof-Projekt

Hof, Hof, Hurra!

Weitersagen:

Nun ist es bereits über ein halbes Jahr her, dass wir uns zum Kauf unseres Hofes entschieden haben. Ein kleiner Zwischenstand und ein paar Gedanken von mir …


Die erste Amtshandlung bestand darin, ein Trampolin für unsere junge Matrosin zu besorgen, das sie sich schon lange gewünscht hat. Der Anblick der riesen Apparatur mit einem Durchmesser von 4.27 m im Innenhof mag etwas seltsam sein aber wen kümmert’s?! Mich nicht…

Was sonst noch so geschehen ist – kurz zusammengefasst:

  • die Feuerstelle wurde vertieft,
  • es wurde gegrillt und gefeiert,
  • erster Kontakt zu den Nachbarn,
  • ein erster Versuch eines Komposts ist entstanden,
  • ein Bokashi Eimer Marke Eigenbau (verbesserungswürdig) wurde angefertigt (*hier gibt es ein fertiges Set),
  • Befall kleiner, neuer Bäumchen durch den Gartenlaubkäfer (ich setzte Brennnesseljauche und Knoblauchsud ein, die Rettung brachten dann aber wohl hungrige Vögel),
  • etwas Wildwuchs und einige Beikräuter (es gibt kein Unkraut) mussten weichen,
  • Dachpappe und Plastikmüll wurden en masse aus dem Boden gegraben,
  • viel Müll wurde entsorgt
  • etwas mehr Ordnung wurde geschaffen, durch Umräumen, Sortieren, Ausmisten
  • eine Werkstatt entstand in einer der Scheunen, um eine Base für zukünftige Arbeiten zu haben,
  • mein Smutje belegte einen Sensenkurs,
  • Kennenlernen der vorhandenen Gewächse,
  • die kaputte Wasseruhr wurde erneuert und Richtlinien für das Wasserschutzgebiet, in dem sich der Hof befindet, wurden abgeklärt,
  • neue Fundamente und Balken für eine der Scheunen,
  • Besuch von der Unteren Denkmalschutzbehörde
  • Zukunftsplanung

Bei dem letzten Punkt möchte ich nun auch einsteigen. Zukunftsplanung – was soll aus dem Hof mal werden? Viele fragen uns, ob wir uns ernsthaft vorstellen können, dort zu leben. Die Antwort ist, dass es fast nichts gibt, das wir uns nicht vorstellen können. In unseren Köpfen sehen wir wunderschöne, fertige Räume! Und bis auf den mit Rinderblut gefärbten Boden im Obergeschoss hat auch alles seinen Charme. Zeitnah soll und wird das allerdings nicht geschehen, so realistisch sollte man sein. Es geht uns auch nicht darum, das Gebäude herrichten zu lassen, sondern wir möchten so viel wie nur möglich selbst anpacken.

Unsere Motivation ist:

  1. etwas dazu zu lernen (verschiedene Handwerke & Natur),
  2. einfach Platz für uns zu haben,
  3. eigener Gemüseanbau und eine Streuobstwiese
  4. und auch die Gebäude (speziell das denkmalgeschützte Objekt) bewohnbar zu bekommen.

Obst und Gemüse

Das Grundstück wird es uns ermöglichen, uns ein Stück in Richtung Selbstversorgung zu bewegen. Dabei orientieren wir uns stark an der Permakultur, die sich als große Herausforderung für uns entpuppte, da komplexer als gedacht. Viel passiert ist noch nicht aber das macht nichts. Einer der Grundsätze der Permakultur ist, zunächst seine Umgebung genau zu beobachten, am besten über ein ganzes Jahr hinweg und auch zu den verschiedenen Tageszeiten. Daraus sollte man dann Schlüsse ziehen können. In der Permakultur wird in Zonen unterteilt, die sich nach dem Pflegeaufwand für die Pflanzen richten. Ebenfalls wichtig ist der Sonnen- und Windeinfall auf das Grundstück und diesen sowie vorhandene Ressourcen jeweils optimal zu nutzen, auch die Bodenbeschaffenheit spielt eine große Rolle… es lässt sich nicht in aller Kürze hier wiedergeben und soll auch nur einen Überblick geben. Das Wichtigste ist das Beobachten, das Planen und zusammen mit der Natur zu arbeiten und nicht dagegen.

Wenn ich acht Stunden Zeit hätte um einen Baum zu fällen, würde ich sechs Stunden die Axt schleifen.

Abraham Lincoln

Wir haben uns etwas Hilfe genommen und zwar von dem absolut genialen Zirkeldreher. Schaut unbedingt mal auf seinen Youtube Kanal und seine Website! Einfach drauf einlassen und nicht gleich wegklicken, er hat’s wirklich drauf und ich oute mich hier gerne als offizieller Fan!

Gegen ein kleines Entgelt konnte er uns sehr viele nützliche Tipps für die Gestaltung geben, schickte uns ein Klimadiagramm und passende Gewächse und versorgte uns mit einigen Denkanstößen. Wir würden uns freuen, wenn wir irgendwann mal so weit sind und auch entsprechend die Zeit haben, dass wir ihn zu uns einladen  oder sogar einen „Permablitz“ veranstalten können, bei dem zusätzlich auch Interessierte zusammen kommen, mithelfen und man so gemeinsam etwas über Permakultur und Permakulturdesign  lernen kann.

Herzlichen Dank an dieser Stelle für deine Arbeit. Auf unserer To-Do-Liste steht auf jeden Fall ein Kompostklo, um nicht länger „auf Grundwasser zu scheißen“ – wie du so schön sagst =)


Erlebnisse

Unser Hof war kurz im TV zu sehen (ab Minute 3.38)

Vielleicht nicht besonders spannend aber daraus konnte ich mir dieses alte Foto von dem Anwesen screenshotten, was mich sehr freute:

Wir haben sehr viel Kurioses entdeckt, wie zum Beispiel alte (leider bereits entwertete) Sparbücher, die noch mit dem Motto „Blut und Boden“ versehen waren (1922 erstmals erwähnt und später eine nationalsozialistische Ideologie).

Auch dabei waren eine Reihe alter Schuhe und etwas Schusterzeug, eine Trommel zum Rösten (?), Küchenutensilien, Munition, Werkzeug, Möbel, Fotos, ein halbes Huhn (bzw. die Reste davon) und viel Müll…

Da wir uns mit dem Verkäufer K. des Hofs gut verstanden haben, haben wir uns auch gegenseitig auf unsere Geburtstagsfeiern eingeladen. Als wir bei ihm waren, lernten wir die einzigen aktiven Strohdachdecker Deutschlands kennen (Strohdach ist kein Reetdach), die ebenfalls im TV bestaunt werden können. Außerdem durften wir das neue Projekt von K. bewundern – ein altes Weberhäuschen, ebenfalls unter Denkmalschutz und wieder steht die Reparatur des Dachs an (K. ist unter anderem gelernter Zimmerer und erneuerte bereits an unserem Hof das Dach, als es noch in seinem Besitz war). K. hatte außerdem einige alte Unterlagen für uns von den Vorbesitzern, von Rechnungen über Gerichtsverhandlungen und Geburtsurkunden ist da alles dabei.

Als nächstes wird uns der Herr von der Unteren Denkmalschutzbehörde nochmal besuchen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Da ein Teil des Hauses, der ehemalige Stall, stark einsturzgefährdet ist, werden wir uns bald darum kümmern. Bei seinem ersten Besuch durften wir dank seines Fachwissens bereits viel über das Haus, seinen Aufbau und die frühere Nutzung lernen.


Wir blicken gespannt in die Zukunft und hoffen, dass sich unsere abfallende Wiese im Winter zum Schlittenfahren eignet!

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